Schlechte Schützen, gute Läufer

Während das Ringstechen am Kastelruther Kofl mit dem Torritt vor Schloss Prösels nach wie vor zu den Höhepunkten des Rittes zählt, war das Armbrustschießen am Matzlbödele von Seis nur von kurzer Dauer.
Zum einen war’s zu gefährlich:

Die Reiter schossen links und rechts vorbei. Es war narrisch gefährlich
Bummi Tschugguel

zum anderen war es für die Zuschauer nicht besonders spektakulär.
Jeder Reiter musste vor einem Zaun sein Pferd anhalten, absteigen, über den Zaun springen und je einmal stehend, kniend und sitzend einen Pfeil aus der Armbrust abschießen.
Schoss er daneben, musste er für jeden Fehlschuss zu Fuß eine Runde um den Schießstand laufen.
Zur Freude der Zuschauer gab’s viele schlechte Schützen und gute Läufer. Im Eifer des Gefechts ist einem Reiter auch schon einmal das Pferd in den Schießstand nachgesprungen, in einem anderen Fall ist die Mannschaft erst gar nicht zum Schießen angetreten, sondern hat es sofort vorgezogen, die Strafrunden zu drehen.

Jedenfalls wurde das Armbrustschießen bereits 1985 durch das Schinderstechen ersetzt.
Der Schinder war eine lebensgroße, 80 Kilogramm schwere Holzbüste, die in der Linken einen Eisenschild hielt und an deren rechtem ausgestreckten Arm ein Sack pendelte. Mit einer Lanze musste der Reiter den Schinder genau so treffen, dass Letzterer sich einmal um die eigene Achse drehte.
Zog ihm der Schinder mit dem Sack eins über, gab’s Strafsekunden.

Aber auch diesem Spiel war keine Zukunft beschieden, weil zu gefährlich für Reiter und Zuschauer. Bereits drei Jahre später wurde es durch das „Labyrinth“ als Turnierspiel abgelöst. Dieses Spiel ist bis heute eines der anspruchsvollsten, was das reiterische Können anlangt.

Luise Malfertheiner & J. Christian Rainer